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Green Jobs: Mehr Schein als Sein?

[08-05-2013]
Diesen Dienstag stellte Experte Sven Hergovich von der AK Wien bei einer in Brüssel von AK EUROPA und dem ÖGB-Europabüro organisierten Podiumsveranstaltung eine neue AK-Studie zum Thema Green Jobs vor. Bei einer spannenden Diskussion mit der EU-Abgeordneten Karin Kadenbach, Kommissionsbeamten Loris di Pietrantonio von der GD Beschäftigung und Guido Lena von der UEAPME, einer EU-Organisation für Handwerker und Klein- und Mittelbetriebe, zeigte sich klar, dass so genannte Green Jobs nicht automatisch mit gut bezahlten und hochqualifizierten Berufen, die positive Auswirkungen auf die Umwelt haben, gleichgesetzt werden können. Tatsächlich trifft dies laut AK-Studie nur auf wenige Green Jobs zu.

AK Sven Hergovich: Green Jobs müssen erst zu guten Jobs gemacht werden

Sven Hergovich, Umweltökonom in der Abteilung Umwelt und Verkehr der Arbeiterkammer in Wien, präsentierte die AK-Studie „Green Jobs: Arbeitsbedingungen und Beschäftigungspotentiale“. Die Studie geht der Frage nach, ob die Hoffnungen mit Green Jobs Beschäftigungs- und Umweltprobleme gleichermaßen zu lösen, realistisch sind. Die Studie stützt sich dabei auf die harmonisierte Eurostatdefinition von Green Jobs und untersucht auch die Arbeitsbedingungen der österreichischen Green-JobberInnen. Dabei zeigt die Studie auf, dass die Umwelteffekte von Green Jobs nicht zwingend positiv sein müssen. So werden die Beschäftigten im öffentlichen Verkehr nicht zu den Green Jobs gerechnet, einige Tausend ArbeiterInnen in der Automobilindustrie aber schon. Die Benützung des PKWs – statt den öffentlichen Verkehr zu wählen – erhöht daher die Anzahl an Green Jobs. „Deshalb sind Green Jobs kein Indikator für gute Umweltpolitik, so Hergovich.

Und auch die Beschäftigungspotentiale fallen laut Hergovich geringer aus als erwartet, da Erhebungen zu Green Jobs nur die Bruttobeschäftigung angeben, wohingegen für die Wirkung auf den Arbeitsmarkt der Nettobeschäftigungseffekt die relevante Größe wäre. So erhöht etwa jeder Landwirt, der seine Produktionswiese von der konventionellen auf die biologische umstellt, die Anzahl an Green Jobs, obwohl dadurch kein neuer Arbeitsplatz geschaffen wird.

Zuletzt betonte Hergovich auch, dass in der Beurteilung von Green Jobs oft auf Aspekte der Qualität von Arbeit vergessen wird. So denken viele Menschen bei Green Jobs an UmwelttechnikerInnen, die an erneuerbaren Energien arbeiten, dabei entsprechen nicht einmal 6 % aller österreichischen Green Jobs diesem Bild und in anderen europäischen Ländern dürften die Zahlen ähnlich sein. Die meisten Green Jobs sind durch harte körperliche Arbeit geprägt und manche Green Jobs weisen sogar gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen auf. „Wenn Green Jobs die Arbeitsplätze der Zukunft sein sollen, dann dürfen sie nicht krank machen und müssen so bezahlt werden, dass man davon leben kann. Green Jobs sind also nicht automatisch gute Jobs, sondern wir müssen sie zu guten Jobs machen, so Hergovich abschließend.

EU-Kommission: „Magical“ Green Jobs

Kommissionsvertreter Loris di Pietrantonio von der Generaldirektion Beschäftigung zeigte sich naturgemäß weiter offiziell überzeugt von Green Jobs, betonte aber auch das Potential der präsentierten Studie. Die Herausforderung sei Wachstum zu schaffen, jedoch mit weniger Ressourcen, und dies sei nur durch Green Jobs möglich. Weitere vielversprechende Sektoren seien Gesundheit und Informationstechnologien. Allein mit der Angebotsseite sei es jedoch nicht getan, vielmehr müsse die Nachfrage nach solchen Jobs stimuliert und durch bessere Planung lokale und regionale Synergien geschaffen werden. Derzeit dominieren vor allem Regierungsanreize und Beihilfen, doch Green Jobs müssten auch markttauglich gemacht werden. Als einen Schlüssel nannte Di Pietrantonio Ausbildung und Qualifikation. Gleichzeitig forderte er auch eine bessere Governance und eine einheitliche Politik auf sämtlichen Ebenen ein.

Karin Kadenbach: Die Definition der Green Jobs sagt nichts über den Beruf aus

EU-Abgeordnete Karin Kadenbach, zuständige Berichterstatterin des Europäischen Parlaments für „Öko-Innovation – Beschäftigung und Wachstum durch Umweltpolitik“, kritisierte, dass die bestehende Definition zu Green Jobs nichts über die Art des Berufs aussage. Denn nach dieser Definition wäre ein Hochwasser gut und wachstumsfördernd und der Individualverkehr gegenüber dem öffentlichen Verkehr vorzuziehen, da dieser ökologischer wäre. Kadenbach forderte bei den Berufen auf Qualität zu achten, die Tätigkeit solle auch erfüllend sein. Man müsse bei der Forschung nun an die Umsetzung gehen und neue Märkte mit neuen Jobs schaffen.

Guido Lena: KMUs schaffen die meisten „Green Jobs“

Guido Lena, Direktor für nachhaltige Entwicklung beim Europäischen Verband der Handwerker, Klein- und Mittelbetriebe (UEAPME), wies darauf hin, dass die von der Arbeiterkammer in Auftrag gegebene Studie besonders interessant sei, da sie den Blickwinkel auch auf jene „Green Jobs“ richte, die man im Allgemeinen nicht mit dem Begriff in Verbindung setzen würde. Generell meinte Lena, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise die Betonung der Wichtigkeit von Umweltschutz und Ökologie nicht beschleunigt habe. Auch er sprach sich für eine präzisere Definition von „Green Jobs“ aus. Auch wies er auf aktuelle Eurobarometer-Umfragen hin, aus denen hervorgeht, dass die Mehrzahl von „Green Jobs“ von kleinen und mittleren Unternehmen geschaffen wird.

Derzeit ist zum Thema Green Jobs keine Initiative der Europäischen Kommission geplant. Jedoch haben sowohl die Europäische Agentur zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen als auch die Europäische Agentur für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz dieses Jahr bereits Untersuchungen zum Thema Green Jobs veröffentlicht.
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Foto: AK EUROPA
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