Akeu
Deutsch | English
Österreichische Bundesarbeitskammer Büro Brüssel
Aktuelles Veranstaltungen Publikationen
Home » Alle Veranstaltungen
blind

Berufs- und Lehrlingsausbildung Österreichs sind der Schlüssel zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit

[08-10-2012]
Europa steht vor gewaltigen Herausforderungen: Der wachsende globale Wettbewerb, der hohe Anteil gering qualifizierter Arbeitskräfte, die Alterung der Gesellschaft und die erschreckend hohe Zahl Jugendlicher ohne Arbeit. Gerade der beruflichen Aus- und Weiterbildung kommt in diesen Zeiten ein hoher Stellenwert zu. Österreich hat in der Wirtschaftskrise bewiesen, dass durch eine solide Berufs- und Lehrlingsausbildung die Jugendarbeitslosigkeit bekämpft werden kann. Das Österreichs berufliche Aus- und Weiterbildung zum Exportschlager avancieren könnte, bewies eindrucksvoll eine von AK EUROPA mitorganisierte Veranstaltung in Brüssel.

„VET ist attractiv bzw berufliche Aus- und Weiterbildung ist attraktiv!“

Unter diesem Motto fand diese Woche in Brüssel eine von AK EUROPA, der Wirtschaftskammer Österreich, dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und dem Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend organisierte Veranstaltung statt. Hauptziel war es, das in Österreich erfolgreiche System der beruflichen Aus- und Weiterbildung, welches die Lehre (duale Ausbildung) sowie die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen umfasst, zu präsentieren.

Mayr: Das österreichische System der beruflichen Aus- und Weiterbildung ist ein Best-Practice Modell für Europa

Thomas MAYR, von der Wirtschaftskammer Österreich, ging in seinem einleitenden Statement darauf ein, dass die berufliche Aus- und Weiterbildung sehr positiv sowohl für ArbeitgeberInnen als auch ArbeitnehmerInnen ist. Es erleichtert den Übergang von einem Ausbildungs- in ein Arbeitsverhältnis, so Mayr. Er stellte fest, dass die duale Ausbildung in Österreich Tradition hat, sie sich für die Unternehmen als „Investment“ lohnt und sich damit als Win-Win Situation sowohl für die Jugendlichen als auch für die ArbeitgeberInnen darstellt.

Hölbl: Das österreichische System der Lehrlingsausbildung ist eine Erfolgsgeschichte

Alexander HÖLBL, vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, skizziert die Grundsätze der österreichischen Lehrlingsausbildung und betonten dabei, dass bei Absolvierung einer Lehre die Lehrlinge 80% der Lehrzeit im Betrieb verbringen und 20% in der Berufsschule. Durchschnittlich beträgt eine Lehre drei Jahre.

Horschinegg: In Österreich entscheiden sich nach der Pflichtschule 80% der Jugendlichen für eine Berufsausbildung

Jürgen HORSCHINEGG, vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, ging näher auf die Strukturen der beruflichen Erstausbildung in Österreich ein. Demnach wählen ca. 40% aller Jugendlichen die Lehre als berufliche Erstausbildung und 40% die mittleren und höheren berufsbildenden Schulen. Nur 20% entscheiden sich für ein Gymnasium, also das allgemeinbildende System. Mit dem Abschluss an einer berufsbildenden höheren Schule (zB HAK oder HTL) haben die AbsolventInnen nicht nur eine exzellente Berufsausbildung, sondern auch Zugang zu einem Universitätsstudium. Auch sprach Horschinegg über die Rolle des BMUKK als „Hüterin der Qualität“ der beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Tschirf: Am Image der beruflichen Aus- und Weiterbildung muss noch gearbeitet werden

Matthias TSCHIRF, Sektionschef im Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, ging kurz auf das leider in Österreich vorherrschende negative Image ein, das Viele mit einer Lehrlingsausbildung verknüpfen. Wichtig war ihm auch zu erwähnen, dass man im europäischen Wettbewerb nicht immer nur die Akademikerquote betrachten soll, auch die Abschlüsse, zB die des berufsbildenden höheren Schulwesens, hätten sehr hohe Qualität.

Horak: Unternehmen bieten nicht mehr genug Lehrstellen an

Bernhard HORAK, von der österreichischen Bundesarbeitskammer, bestätigte auch die Verdienste der österreichischen Berufsbildung. Das gesamte System sei über Jahrzehnte verlässlich und erfolgreich gewesen. Er nannte aber im Gegensatz zu seinen Vorrednern einige Punkte, in denen aus der Perspektive der Arbeiterkammern Handlungsbedarf besteht. Demnach bieten die Unternehmen nicht mehr genügend Lehrstellen an, was zu enormen Ausgaben des AMS führt. Die Situation, dass es in der Lehrausbildung in den Betrieben keine Qualitätssicherung gibt, ist unhaltbar geworden. Weiters seien manche der vielen Ausbildungsangebote zu schmalspurig (200 Lehrberufe und 600 schulische Curricula). Er forderte, dass die Berufsorientierung endlich Pflichtfach wird und dass man dringend das Image der dualen Ausbildung verbessern muss.

Reithuber: Die Verbindung zwischen Schule und Wirtschaft ist wichtig

Franz REITHUBER, Direktor der Höheren Technischen Bundeslehranstalt (HTBLA) aus Steyr, berichtete über viele erfolgreiche Karrieren, die in der HTBLA Steyr ihren Anfang nahmen. Darunter auch die des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Lufthansa, Wolfgang Mayrhuber. Reithuber betonte auch die Wichtigkeit der starken Verbindungen der HTBLA mit der Wirtschaft und dass die Schule viele Jugendliche motiviert, neue Wege einzuschlagen. Viele absolvieren nach der HTBLA auch ein Studium (ca. 50%).

Freilinger: Auf die Berufsschulen ist Verlass!

Werner FREILINGER, Personalchef der SKF Österreich AG, brachte aus Sicht der ArbeitgeberInnen ein, dass man sich auf gut ausgebildete Jugendliche aus der beruflichen Bildung verlassen kann. Man sieht den Erfolg noch deutlicher, wenn die Jugendlichen ins Ausland gehen und dort ihren Weg machen.

Delgado: Gute berufliche Ausbildung führt zu niedrigeren Arbeitslosenzahlen

João DELGADO, Abteilungsleiter in der Generaldirektion Bildung der EU-Kommission, lobte uneingeschränkt das österreichische System der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Wobei der nahtlose Wechsel von der Ausbildung in den Beruf sicher die besondere Stärke des Systems ist. Man sieht aber generell, so Delgado weiter, dass in Staaten mit einer guten beruflichen Ausbildung die Arbeitslosenzahlen viel niedriger sind als in anderen vergleichbaren Staaten. Abschließend mahnte er aber auch, dass man das österreichische Modell nicht ohne weiteres kopieren bzw in ein anderes Land verpflanzen könne. Insbesondere wäre die enge Einbindung und Mitwirkung der SozialpartnerInnen eine Voraussetzung.
« zurück
Foto: AK Europa 2012
fermer
/images/neo_banners/big_banner_en.jpg